Motonomad - Motorradtouren in Rumänien | Tour mit Kultur September 2013
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Tour mit Kultur September 2013

Tour mit Kultur September 2013

DROMOMANIA Siebenbürgen Tour – Die Tour mit Kultur 16-24 September 2013

Teilnehmer : Hartmut, Jutta, Volker und Guide Andi

Motorräder : BMW GS 1200, BMW RT 1200, BMW GS 1150 Adv.

KM: ~2100 in Rumänien.

Mo 16.09.2013 – Ankunft in Oradea

Nach drei Tagen Anreise durch Deutschland, Österreich und Ungarn freuen wir uns darauf, an der Grenze zu Rumänien Andi von MOTONOMAD Rumänien zu treffen, der uns für die nächste Woche als Tourguide begleitet. Er hat zwei akademische Abschlüsse (Jura und Europäische Studien) und eine Ausbildung als Reiseleiter für Rumänien, was sich einem kleinen Rundgang durch die Fußgängerzone von Oradea sofort bemerkbar macht. Andi kennt sich in seiner Heimat wirklich extrem gut aus und es macht ihm Spaß, uns wissenswertes und interessantes zu vermitteln.

Das Silver-Hotel am Stadtrand von Oradea ist ein 4*-Haus mit Außenpool, Sauna, modern eingerichteten und geräumigen Zimmern und einem schönen Restaurant mit elegant eingedeckten Tischen. Da die Sonne so herrlich scheint, sitzen wir auf der Terrasse und wollen auch unser Abendessen hier einnehmen. Was in manchem deutschen Hotel undenkbar ist, stellt hier absolut kein Problem dar. Und so genießen wir das gute Essen (Polenta mit Gulasch und einen Kuchen zum Nachtisch) und genießen dabei die letzten Strahlen der untergehenden Sonne.

 

Di. 17.09. – über Cluj-Napoca nach Bistrita

Nach einem guten, deftigen Frühstück starten wir um 09 Uhr Rumänischer Zeit, also eine Stunde früher als gewohnt, auf der DN1/E60 Richtung Osten. Die Straße ist recht gut ausgebaut aber anfangs ebenso gerade und die Gegend ebenso flach wie in Ungarn. Zudem herrscht sehr viel Verkehr, so dass die Fahrt nicht gerade Spaß macht. Erst als wir bei Cornitel die Ausläufer des Apuseni-Gebirges erreichen, kommt etwas Fahrspaß auf, der aber auf dem weiteren Weg nach Cluj-Napoca (Klausenburg) bald wieder im Verkehr verloren geht.

Klausenburg selbst hat eine schöne historische Altstadt, die uns Andi sehr detailreich und mit viel Hintergrundwissen erklärt. Unser Pech, dass Jutta und Volker, im Gegensatz zu mir, sich dafür nicht übermäßig interessieren. In den nächsten Tagen werden wir einen besseren Kompromiss zwischen Fahrspaß und Kulturprogramm finden müssen.

Von Klausenburg zum Castelul Banffy bei Bontida sind es nur ein paar Kilometer, allerdings auch mit höllisch viel Verkehr. Das alte Schloss ist durchaus sehenswert, dafür ist der dort ausgeschenkte Kaffee eher von der schlechteren Sorte.

Dafür hört nach dem Schlossbesuch endlich der nervige Verkehr auf, und das nicht nur, weil wir die nächsten zirka sechs Kilometer auf einer Schotterstraße zurück legen. Die ist übrigens auch mit einer R1200RT mit Sozia und Urlaubsgepäck problemlos zu bewältigen. Ebenso wie die folgenden Landstraßen, die wesentlich mehr Fahrspaß vermitteln als die überfüllte Europastraße.

Obwohl wir keine allzu großen Höhenunterschiede überwinden, ist die Straße recht kurvig und dank Zuschüssen aus Brüssel in einem guten Zustand. Zwar ist die Gegend relativ dicht besiedelt, so dass wir häufig durch Ortschaften fahren, aber da Andi dort mit 80 statt der erlaubten 50 km/h unterwegs ist, stellen sie kaum ein Hindernis dar. Von den Dorfbewohnern scheint sich auch niemand über die überhöhte Geschwindigkeit aufzuregen. Polizeikontrollen scheinen auf den Nebenstrecken eher selten zu sein und werden zudem vom Gegenverkehr durch Lichthupe angekündigt.

Unser Ziel für heute, das Hotel Coroana de Aur (Goldene Krone) in Bistrita (Bistritz) erreichen wir gegen 18:30 und bis wir unsere nagelneu renovierten, sehr modern und wohnlichen eingerichteten Zimmer bezogen haben, ist es kurz vor sieben. Also verabreden wir uns für 20 Uhr zum Abendessen und genießen  erst mal eine heiße Dusche und ein paar Minuten Ruhe.

Allzu lange ruhen wir aber nicht, die Lust auf ein kühles Bier lockt uns ins Restaurant des Hotels, wo uns dann auch recht bald das sehr schmackhafte, dreigängige Abendessen vorgesetzt wird. Um wenigstens noch ein paar der gerade vertilgten Kalorien wieder los zu werden, unternehmen wir noch einen kurzen Spaziergang durch die Ortschaft, der uns aber durch einen Regenschauer bald verleidet wird. Es wird Zeit, zu Bett zu gehen …

 

Mi.18.09. –  Borgo-Pass und Moldau-Klöster

Obwohl die Wettervorhersage für heute nicht nur schlecht, sondern fast erschreckend ist, starten wir kurz nach neun Uhr Richtung Osten. Unser Ziel, die Moldau-Klöster steuern Andi, Jutta und ich in vollem Schlechtwetterordat an, nur Volker hat leider keinen Regenkombi dabei … was sich später am Tag rächen wird.

Bei kaum nennenswerten Niederschlägen bringen wir die Fahrt zum Borgo- bzw. Tihuța-Pass recht problemlos hinter uns. Zwar sind auf der sehr gut ausgebauten DN17/E58 viele LKWs unterwegs, aber auf den langen geraden Strecken kann man die recht problemlos überholen. Zwar überschreiten wir dabei die erlaubte Geschwindigkeit in den Ortschaften wieder erheblich, aber langsam gewöhnen wir uns daran und finden es ganz normal.

Nach etwas mehr als 30 Kilometern wird die Strecke kurviger und steigt bald darauf relativ steil an. Als wir kurz darauf am Hotel Castel Dracula eine Pause einlegen, sind wir uns einig, dass das Wetter gar nicht so schlimm ist. Schade nur, dass wir wegen der tief hängenden Wolken die Aussicht nicht genießen können.

Warm war es bisher schon nicht, aber als wir, nur ein paar Kilometer nach dem „Castel“ die Passhöhe (1200 m) erreichen, zeigt das Thermometer gerade mal 2,5°C. Aber mit jedem Kilometer gen Osten  wird es trockener und „wärmer“ (auf mehr als 11°C steigt das Thermometer allerdings den ganzen Tag nicht). Aber die Straße trocknet ab und die Fahrt macht richtig Spaß.

Ziel unserer heutigen Tour sind einige der mit detaillierten Wandmalereien reicht verzierten und als UNESCO Weltkulturerbe anerkannten Moldau-Klöster in der südlichen Bukowina. Zuerst halten wir am Kloster Voroneț, das wegen seiner exzellenten Fresken auch die „Sixtinische Kapelle des Ostens“ genannt wird. Wären wir alleine hier, würden wir zwar auch die phantastischen alten Kunstwerke bewundern, aber in Begleitung von Andi wird diese Motorrad- wirklich zur Kultur-Tour! Egal ob zum Baustil, zu den Fresken oder zu den theologischen Feinheiten im Innern der Kirche, er weiß einfach alles und begeistert uns (heute alle) mit seinem Vortrag. Wenn das Wetter etwas besser wäre, wäre es wirklich ein perfekter Tag … aber es beginnt wieder zu regnen und wir beschließen, zum nächsten Kloster zu fahren.

Das Kloster Humor ist nur ein paar Kilometer entfernt und zählt zu den ältesten bemalten Kirchen im heutigen Rumänien. Auch hier staunen wir nur über den Detailreichtum der Fresken an der Außenfassade und im Inneren der Kirche. Letztere werden zur Zeit in mühevoller Kleinarbeit renoviert, was uns dazu bringt festzu stellen, dass der inzwischen fast 500 Jahre alte Putz schon wesentlich länger hält, als manch moderne Wandfassade.

Den Besuch einer dritten Klosterkirche lassen wir, angesichts des schlechter werdenden Wetters, sein und machen uns auf den Heimweg. den treten wir auf exakt der gleichen Strecke an, die wir gekommen sind. Allerdings regnet es diesmal bei der Überquerung des Borgo-Passes ziemlich heftig und das Thermometer sinkt auf nur noch 2°C ab. Während die Temperatur auf dem Weg nach Bistriza wieder etwas steigt, bleibt uns der Regen erhalten, so dass wir froh sind, als wir gegen 17:45 das Hotel erreichen.

Durchgefroren sind wir alle, aber Volker hat außerdem noch ein nasses T-Shirt, da seine Jacke im Frontbereich nicht ganz dicht ist. Trotzdem treffen wir uns, nach einer ausgiebigen heißen Dusche, kurz vor sieben Uhr zu einem sehr guten und (fast zu) reichhaltigen Abendessen. Danach müssen wir einfach noch eine Stunde durch die Stadt spazieren und genießen die frische, aber inzwischen regenfreie Luft.

 

Do. 19.09. – über Schäßburg nach Kronstadt

Die heutige Tour beginnt leider, wie die gestrige geendet hat, mit Regen. Allerdings hält er nicht lange an, so dass wir schon bald wieder mit aufgeklapptem Helm unterwegs sind. Bei der DN15A, die wir zu Anfang benutzen, handelt es sich zwar auch um eine Europastraße, aber der Verkehr hält sich in Grenzen und wir kommen gut voran.

Als wir bei Reghin (Deutsch Regen) auf eine Nebenstraße wechseln, überrascht uns auch diese durch ihren guten Zustand. Wie überhaupt die von uns auf dieser Tour benutzen Straßen, bis auf wenige Ausnahmen, in einem erstaunlich guten Zustand und mit jeder Art von Motorrad problemlos zu bewältigen sind.

Nach einem kurzen Fotostopp an der hübschen alten Holzkirche in der kleinen Ortschaft Nadășa, fahren wir weiter nach Schäßburg (Sighișoara). Dank Andis Ortskenntnissen stellen wir unsere Motorräder mitten auf dem Marktplatz ab und besichtigen die gut erhaltenen und zum größten Teil schön restaurierten mittelalterlichen Häuser. Während Jutta und Andi über eine überdachte, hölzerne Treppe mit 176 Stufen die Bergkirche besuchen, gönnen Volker und ich uns lieber einen Kaffee auf dem Marktplatz, der zum Weltkulturerbe gehörenden Stadt.

Ebenfalls zum Weltkulturerbe zählt die Kirchenburg von Viscri (Deutsch-Weißkirch), die wir als nächstes besuchen. Die Straße, die zu dem kleinen Ort führt, gehört zu den nicht ganz so guten, trotzdem sind die sieben Kilometer immer noch mit jeder Art von Motorrad problemlos zu bewältigen. Und die sehr gut erhaltene Kirchenburg ist diesen Abstecher auf jeden Fall wert! Sie vermittelt sehr gut, wie das Leben hier seit dem Mittelalter aussah. Und auch der Ort selbst, inklusive der Kopfsteinpflasterstraße hinauf zur Kirche, sieht so aus, als hätte sich seit dem Mittelalter hier nicht viel verändert.

Für den Weg zurück auf die Hauptstraße benutzen wir eine Schotterstraße, die leider einige Löcher aufweist, aber für unsere 1200´er RT mit zwei Personen und Urlaubsgepäck kein Problem darstellt. Mit einem Chopper oder Supersportler sollte man aber lieber wieder nach Bunesti (Bodendorf) an der DN13 zurück fahren. Die führt dann auch weiter nach Kronstadt, wobei kurz nach Hoghiz (Warmbach) ein Streckenabschnitt mit einigen durchaus netten Kurven beginnt, so dass der Fahrspaß nicht zu kurz kommt.

Kurz bevor wir in Kronstadt ankommen beginnt es wieder zur regnen und so sind wir doppelt froh, als wir gegen 18:20 die Pension Deutsches Haus erreichen, in der wir heute übernachten werden. Zum Abendessen besuchen wir diesmal ein Bistro im Stadtzentrum und spazieren nach einem sehr guten und reichhaltigen Mahl noch ein bisschen durch die Stadt, bevor wir mit dem Taxi zur Unterkunft zurück fahren und uns „aufs Ohr hauen“ … bzw. den Tagesbericht schreiben …

 

Fr. 20.09. – über die Transfogarascher Hochstraße nach Hermannstadt

Obwohl wir bei der Anfahrt zum „Deutschen Haus“ feststellen mussten, dass Kronstadt, ebenso wie Klausenburg und Oradea, keine kleine Stadt ist, werden wir morgens um halbsechs vom Geschrei mehrerer Hähne geweckt. Viel zu früh … also Gehörschutz in die Ohren und noch zwei Stunden weiter schlafen.

Nach dem reichhaltigen Frühstück – ich habe jetzt schon Angst davor, was die Waage nach unserer Rückkehr anzeigt – starten wir zum Schloss Bran, das ebenfalls mit Dracula in Verbindung gebracht wird und entsprechend viele Besucher anlockt. Sieht man von dem Touristenhokuspokus ab, bleibt eine sehr schöne Burg, deren Besichtigung sich durchaus lohnt.

Nach dem Schlossbesuch entschließen wir uns, angesichts der dunklen Wolken, die auf den Karpaten-Bergen hängen, die Transfogarascher Hochstraße nicht wie vorgesehen von der Südseite (über Curtea de Arges) sondern von Norden her anzufahren. Zwar müssen wir dann, um unser Etappenziel Sibiu (Hermannstadt) zu erreichen, auf der Passhöhe umkehren, dafür sparen wir uns, für den Fall, dass die Strecke unpassierbar ist, einen sehr großen Umweg.

Die Auffahrt zur Passhöhe braucht sich hinter keinem Alpenpass zu verstecken und bietet uns zum ersten Mal in Rumänien Fahrspaß pur. Der wird allerdings in der oberen Hälfte der Strecke durch Längsfräsungen im Asphalt und den Umstand eingeschränkt, dass bei 2000 Meter die Temperatur um den Gefrierpunkt pendelt. Da wird jeder nasse Fleck zur potentiellen Gefahr und Schräglagen vermeiden wir so weit als möglich.

Nach Durchquerung des Gipfeltunnels sehen wir, dass die Südflanke sicher ebenso viel Spaß machen würde. Allerdings sind wir ziemlich durchgefroren und haben Hunger, so dass wir lieber durch den Tunnel auf die Nordseite zurück fahren und dort an einer Hütte an einem See eine heiße Suppe zu uns nehmen. Und das mit Blick auf verschneite Berghänge direkt vor dem Fenster!

Da nach der Abfahrt die weitere Strecke nach Sibiu (Hermannstadt) eine, zum Teil vierspurige, Europastraße ist, kommen wir heute mal etwas zeitiger im Hotel Apollo an. Dadurch haben wir Zeit, uns Andis defektem Bremslicht und meiner kaputten Fahrlichtlampe (zum Glück hat die R1200RT zwei davon) zu widmen. Allerdings erst nach zwei Bier, was die Sache nicht einfacher aber lustiger macht.

Nach dem sehr reichhaltigen und schmackhaften Abendessen – ich darf gar nicht an meine Waage denken – sind wir alle redlich müde und liegen heute mal wieder etwas zeitiger im Bett … und setzen den Bericht fort …

 

Sa. 21.09. – Transalpina

Da es regnet, gehen wir den Tag gemütlich an und starten um 10:15 zu einem Spaziergang durch die Altstadt. Die ist wirklich sehenswert und einen Besuch wert, denn so viele mittelalterliche und trotzdem noch in Nutzung befindliche Häuser findet man wohl nur noch selten. Zwar ist noch nicht alles renoviert, aber die Bemühungen dazu sind sichtbar und in ein paar Jahren ist Hermannstadt sicher ein Schatzkästchen, dass man sich nicht entgehen lassen sollte. Und auch hier glänzt Andi  mit seinen Geschichtskenntnissen … wo findet man schon mal einen Motorrad-Tourguide, der gleichzeitig Reiseführer mit historischem Wissen ist!?

Da gegen Mittag der Regen nachlässt und die Wolken aufreißen, entschließen wir uns noch zu einer kleinen Tour. Die Transalpina, die mit 2132 m höchste Straße Rumäniens, wollen wir zwar angesichts der fortgeschrittenen Zeit und der schwarzen Wolken, die immer noch über den Bergen hängen, nicht mehr überqueren, aber wenigstens ein paar Kurvenkilometer wollen wir genießen.

Das gelingt uns dann auch – bei Saliste verlassen wir die Schnellstraße und fahren über Rod auf einer sehr schönen und kurvigen Straße bis nach Jina. In unseren GPS-Geräte endet die Straße hier, aber zum Glück weiß Andi, dass von Jina hinunter zur Auffahrt der Transalpina eine nagelneue Fahrbahn mit sieben Serpentinen einen Höhenunterschied von fast 500 Metern auf nur knapp sechs Kilometer überwindet.

Der Transalpina folgen wir bis Tau Bistra, wo wir eine kurze Pause einlegen … und uns der Regen wieder einholt. Aus ein paar Tropfen wird bald ein Gewitter und bei der Rückfahrt laufen an vielen Stellen kleine Rinnsale über die Straße … und trotzdem macht die kurvenreiche Strecke Spaß! Wieder in Saliste angekommen tanken wir die Motorräder und fahren, weil inzwischen das Gewitter abgeklungen ist, über die Nebenstraße zurück nach Sibiu.

Auch wenn die Regenfahrt viel Spaß gemacht hat, war sie, in Verbindung mit der kühlen Temperatur, ziemlich anstrengend. Trotzdem unterhalten wir uns nach dem Abendessen noch eine Stunde angeregt, bevor wir uns aufs Ohr hauen … bzw. am Bericht weiter schreiben

 

So. 22.09. – auf zu Andi´s Berghütte

Einige Baustellen und eine eher mäßige Ausschilderung führt dazu, dass wir unsere Tour mit einer Ehrenrunde durch Sibiu beginnen. Das ist im Grunde nicht weiter schlimm, beweist aber, dass auch in Rumänien ein gutes GPS sehr hilfreich sein kann.

Einmal auf Kurs fahren wir über die DN14, auf der selbst am Sonntag die Arbeit an einer neuen Fahrbahndecke nicht ruhen, Richtung Norden. In Axente Sever (Frauendorf) fällt uns eine sehr schöne Wehrkirche auf und wir beschließen uns zu einem Besuch. Da wir nicht umdrehen wollen, verlassen wir die Hauptstraße und erleben recht schnell und drastisch, dass viele Straßen in rumänischen Ortschaften noch ungeteert und, nach dem gestrigen Regen verständlich, ziemliche Schlammlöcher sind.

Dafür ist die Kirche wirklich absolut sehenswert und das in den ehemaligen Wehrgebäuden untergebrachte „Muzeul Cetate“ vermittelt eindrücklich die Entstehung der Sächsischen Siedlungen und der Kirchenburgen in Siebenbürgen. Als besonderes Highlight gibt es in der Kirchenburg vier rustikale Gästezimmer, in der man für 10 € pp Übernachten kann (+ 5 € fürs Frühstück).

Nur wenig später machen wir Pause in Mediaș (Mediasch), wo wir in der schön renovierten Innenstadt zunächst eine gute Tasse Kaffee genießen und dann die spätgotische Margarethenkirche besichtigen. Um den im Mittelalter wohl nicht allzu seltenen Angriffen besser trotzen zu können, wurde sie von einem sog. Kirchenkastell mit Mauern und Türmen umschlossen, von denen heute noch Teile zu sehen sind.

Unser nächstes Ziel ist die Dreifaltig keitskathedrale von Blaj (Blasendorf), die aber abgeschlossen und deren Be sichtigung trotz Andi´s Bemühungen leider nicht möglich ist. Als Bischofssitz der rumänischen griechisch-katholischen Kirche ist sie ein Beispiel für die Vielfalt der Glaubensgemeinschaften in Rumänien, die nicht nur mich überrascht hat.

Auf der Weiterfahrt nach Alba Iulia (Karlsburg) erleben wir mal wieder, wie unterschiedlich der Ausbau der Straßen zwischen den Dörfern fortgeschrittenen ist. Mitten in der kleinen Ortschaft Boian wird aus der bis jetzt geteerten DJ142B eine, allerdings auch mit der R1200RT gut zu befahrende, Schotterstraße. Nach drei Kilometern, direkt an der Verwaltungsgrenze zwischen Sibiu und Alba, fängt die Teerdecke wieder an.

Alba Iulia wurde schon von den Römern als „Castrum Apulum“ gegründet und hat seither eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Andi fährt mit uns direkt hinein in die Festungsanlage, wo wir die römisch-katholische Kathedrale und direkt daneben die Bischofskirche der rumänisch-orthodoxen Kirche besichtigen. Letztere wurde extra für die Krönung des in Sigmaringen geborenen Hohenzollern-Abkömmlings Ferdinand zum König des nach dem 1. Weltkrieg entstandenen Großrumänien erbaut. Danach haben wir uns einen kleinen Mittagssnack redlich verdient, bevor wir die letzten 120 Kilometer zu Andi´s Hütte in Angriff nehmen.

Diese liegt im Apuseni-Gebirge, das wir über die DN74 und DN75 erreichen. Die beiden Straßen sind zwar schön kurvig und bieten einigen Fahrspaß, verlangen aber wegen sehr unterschiedlicher Qualität des Straßenbelags höchste Aufmerksamkeit vom Fahrer. Die letzten Kilometer zur Hütte überraschen uns gleich zweimal. Erst durch sechs Kilometer mit nagelneuem Belag und dann durch knapp zweieinhalb Kilometer ziemlich übler Naturstraße.

In der Hütte selbst verleben wir einen sehr schönen Abend, wobei alle beim Feuermachen, Wasser holen und der Zubereitung des Abendessens zusammenarbeiten. Nach Sonnenuntergang bewundern wir den wolkenlosen Himmel, der in der Einsamkeit und Dunkelheit der Berge ganz besonders reich an Sternen ist und uns einen schönen nächsten Tag verspricht.

 

Mo. 23.09. – zurück nach Oradea

Am Morgen zeigt sich der Himmel leider wieder bewölkt, aber wenigstens regnet es (noch) nicht. Also machen wir uns nach dem Frühstück erst mal zu Fuß auf zu einer Karstquelle, die nur wenige hundert Meter von Andi´s Hütte entfernt liegt. Da der Weg etwas abenteuerlich ist, brauchen wir hin und zurück eine gute Stunde und müssen uns danach beeilen, die Hütte vor unserer Abfahrt wieder aufzuklaren.

Danach fahren wir zur nächsten und sicherlich wichtigsten Natursehenswürdigkeit in der Gegend, der Eishöhle von Scărişoara. Entgegen einiger im Web zu findenden Beschreibungen führt heute eine sehr gut geteerte Straße von Gârda Seaca zu einem Parkplatz, von dem aus es nur noch ein paar hundert Meter bis zum Höhleneingang sind.

An diesem angekommen führt eine ziemlich steile und in Teilen nicht sehr vertrauenerweckende Treppe fast 50 Meter hinunter in die Höhle. Auch die hier verlegten Stege, auf denen man über das Eis bis zur sog. „Biserica“ (Kirche) gelangt, sehen eher behelfsmäßig aus. Das ist aber verständlich, wenn man bedenkt, dass sich das Eis, ähnlich einem Gletscher, ständig in Bewegung befindet. Nach dem ziemlich beschwerlichen Weg zurück zur Oberfläche und einer kurzen Mittagspause am Parkplatz, machen wir uns auf den Weg nach Oradea.

Die DN75 Richtung Westen bringt uns nochmal auf über 1200 Meter … und mitten hinein in die Wolken, aus denen es wieder zu regnen begonnen hat. Die Sicht ist stark eingeschränkt und die nasse Fahrbahn verhindert, dass wir auf der sehr kurvigen Strecke so richtig Spaß haben. Der kommt aber auch nach Erreichen der als E79/DN76 nicht auf. Die Strecke beweist mit ihren Bodenwellen und Schlaglöchern eindrucksvoll, dass nicht jede Europastraße in Rumänien in gutem Zustand ist.

In Oradea übernachten wir wieder im Silver-Hotel, wo wir uns so langsam auf den Abschied von Andi vorbereiten und nochmal das gute und reichliche Abendessen genießen. Danach lassen wir uns noch das eine oder andere Gläßchen Pflaumenschnaps schmecken, bevor wir uns aufs Ohr hauen und unsere letzte Nacht in Rumänien anbricht.

 

Di. 24.09. – zurück nach hause

Nach einem ausgiebigen Frühstück verabschieden wir uns herzlich von Andi, der uns eine Woche lang durch seine Heimat Siebenbürgen geführt und dabei versucht hat, uns möglichst viel über Baukunst, Religion und Kultur dieser Region Rumäniens zu vermitteln. Während er sich auf seiner R1150GS Richtung Osten auf den Weg macht, fahren Jutta, Volker und ich wieder nach Westen.

Vor uns liegen über 1300 km Landstraßen, die wir in drei Tagen bewältigen wollen. Hinter uns liegt eine tolle Urlaubsreise durch eine bei uns bisher nur wenig bekannte Urlaubsregion, die wir irgendwann sicher nochmal unter die Räder nehmen werden.

 

Fazit unserer Rumänien-Tour

Rumänien ist eine Reise wert! Vielleicht nicht unbedingt für diejenigen Fahrer einer Straßenmaschine, die auf Kurvenhatz und Fahrspaß aus sind. Aber auf jeden Fall für alle Motorradfahrer, die sich für die Geschichte, Land und Leute interessieren und bereit sind, dafür auch mal viele Kilometer über Europastraßen und den einen oder anderen Kilometer auf relativ schlechten Straßen zu fahren. Fahrer einer Reiseenduro, die sich auf ungeteerten Nebenstraßen bewegen wollen, sollten keine reinen Straßenreifen aufziehen, finden dann aber sicher viele nette Strecken.

Klar kann man sich, wie in jedem anderen Reiseland, alleine auf Erkundungstour begeben. Wegen der sehr unterschiedlichen und zum Teil schwierigen Straßenzustände, die leider aus keiner Karte heraus zu lesen sind, lohnt es sich hier aber durchaus, sich einem ortskundigen Tourguide anzuschließen. Wenn der sich dann auch noch so extrem gut in der Geschichte seines Landes auskennt wie Andi, der auf seiner Seite motonomad.com übrigens auch für 2014 wieder Reisen durch Rumänien anbietet, dann wird aus einer Motorrad- gleich noch eine Kultur-Tour.

Bedenken vor einer Reise nach Rumänien braucht unserer Meinung nach niemand zu haben. Wir hatten auf jeden Fall an keiner Stelle in Rumänien mehr Angst um uns und unser Hab und Gut, als in irgend einem anderen Reiseland in Europa. Selbstverständlich sollte man aber auch hier, wie überall, die notwendige Vorsicht walten lassen. Das Sprichwort „Gelegenheit macht Diebe“, gilt nun mal weltweit.

(..)

Autor/Quelle des Berichtes : Hartmut Obermann auf  www.hartmutobermann.de

 

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